
MIT GOTT IM ALLTAG
Elfriede Demml | Voll Vertrauen | Leben im Rollstuhl
Türen und Weichen
Ich bin mit meiner Assistentin im Zug unterwegs zu meiner jährlichen Therapie nach Deutschland. Während der ganzen Fahrt bekommen wir immer wieder mit, dass die linke Tür von unserem Waggon kaputt und deshalb verriegelt ist. Immer wieder wollen Menschen aussteigen und es wird ihnen gesagt, dass das hier leider nicht geht. Auch ein Mitarbeiter des Boardservice erzählt uns ganz aufgeregt davon und fragt sich, wie ich wohl wieder aus dem Zug hinaus komme. Ich bin gelassen, sie werden schon eine Lösung finden.
Am Münchner Ostbahnhof werden wir schon von zwei Freunden erwartet. Doch kurz vor unserer Ankunft kommt plötzlich die Durchsage, dass wir heute aufgrund einer Streckensperre anstelle von München Ost am Münchner Hauptbahnhof ankommen werden. Ich melde mich wieder bei unseren Freunden, die schon auf dem Gleis in München Ost warten. Kurze Zeit später rufen sie mich wieder an: “Überraschung, ihr kommt doch nach München Ost." In unserem Zug gibt es keine derartige Durchsage, aber ich freue mich natürlich. Kurze Zeit später fahren wir tatsächlich in München Ost ein und mit Werkzeugen ausgerüstet kommen Mitarbeiter der Bahn und öffnen mühevoll die verriegelte Tür. Draußen wartet schon ein Mitarbeiter des Mobilitätsservice und empfängt mich mit dem Hebelift für meinen Elektrorollstuhl. “Das war dein Engel”, erzählen mir meine Freunde. Er habe schon mit dem Hebelift auf dem Bahnsteig gewartet, als die Durchsage kam, dass wir doch nicht hier ankommen. Daraufhin habe er telefoniert und plötzlich sind wir doch hier angekommen. Und ich kann mal wieder nur staunen darüber, dass für den Herrn verriegelte Türen und gesperrte Strecken kein Thema sind. Er stellt die Weichen so wie er es will für seine Kinder.
Elfriede Demml, 10. Juli 2026
