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Fünf Brote, zwei Fische

 

Erschöpft komme ich mit meiner Mitbewohnerin am Samstagabend von einer Reise zurück. Das erste, was uns mein Mitbewohner eröffnet ist, dass er vergessen hat einzukaufen. „Na toll“, denke ich, „da hätte er doch dran denken können!“ und Groll will in mir hochsteigen. Doch dann besinne ich mich doch meines Gottvertrauens und sage: „Macht nichts, wir werden schon nicht verhungern."
 

Am nächsten Morgen sitzen wir nach der Hl. Messe gemeinsam mit Freunden bei einer Tasse Kaffe im Klosterinnenhof. Ehe wir es uns versehen kommt die Mittagszeit und zuverlässig wie ein Wecker beginnt mein Magen zu knurren. Ich schaue mich in der Runde um. Da sind einige dabei, die nur heute zu Besuch in Benediktbeuern sind. Sie können nicht einfach schnell nach Hause gehen, um etwas zu essen… Hm, wie schön wäre es, jetzt alle in unsere Wohngemeinschaft einzuladen… Aber wir haben ja nichts… Andererseits, bis jetzt hat es immer gereicht… Der Gedanke an das Evangelium mit den Fünf Broten und zwei Fischen gibt mir noch den letzten Schubs und nach einer kurzen Absprache mit meinen Mitbewohnern fahre ich mit meinem Rollstuhl von einem zum nächsten und lade jeden einzeln ein: „Darf ich dich zu einer wunderbaren Brotvermehrung in unserer WG einladen? Wir haben zwar nicht wirklich etwas zu Hause, aber wir würden dich trotzdem gerne einladen.“ Die Einladung wird begeistert angenommen und kurze Zeit später strömen etwa zwölf Leute in unsere WG. Einige, die in der Nähe wohnen, haben bei sich zu Hause noch geschwind etwas geholt. Sogar unsere Nachbarn, die von der Sache Wind bekommen, spendieren uns noch ein paar Gläser Pesto. Nun herrscht großes Treiben in unserer Wohnung. Die einen holen Stühle und Tische von überall her und bereiten die Terrasse für das große Festessen vor. Die anderen bereiten aus all dem was da gebracht wurde – und was sich wider Erwarten doch noch bei uns vorfand – ein leckeres Gericht. Wieder andere decken den Tisch. All das geschieht in großer Freude und Gelassenheit. Ich sitze mitten in all dem Treiben, beobachte was da vor sich geht, staune, wie aus scheinbar „Nichts“ so viel werden kann, wenn man nur die Worte des Evangeliums ernst nimmt, es wagt dem Herrn das Wenige hinzuhalten, was man hat, und ihn dann gewähren lässt. Zufrieden danke ich dem Herrn – für seine Wunder, aber auch für meine Mitbewohner, die für solche Aktionen stets zu haben sind.
 

Elfriede Demml (27), Praktikantin in der Klinikseelsorge Murnau, Juni 2014

 

Erschienen in: Die Tagespost, 02.08.2014

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