
MIT GOTT IM ALLTAG
Elfriede Demml | Voll Vertrauen | Leben im Rollstuhl
Harald
Auf besondere Weise hat mir Gott in den letzten Wochen und Monaten immer wieder eine besondere Liebe für bestimmte Menschen ins Herz gelegt, die mir auf meinem Weg begegnet sind.
Angefangen hat es am Montag 23. Februar. Da war ich in der 16 Uhr Messe bei den Franziskanern. Auf der Bank an der Seitenwand saß ein erbärmlich aussehender Mann. Er hatte eingebundene Füße, sah ganz verwahrlost aus und sein Kopf hing, man kann wirklich sagen, senkrecht nach unten. Um gehen zu können, hatte er einen Einkaufswagen voll mit seinen Habseligkeiten. Plötzlich spürte ich so sehr Gottes Liebe für ihn und ich habe mir gedacht, ich glaube, er ist hier in der Kirche gerade Gottes größter Liebling. Und ich habe gespürt, ich muss es ihm sagen. Es war mir furchtbar unangenehm, aber ich wusste, ich würde es bereuen, wenn ich es nicht tun würde. Während der Kommunion habe ich gesehen, dass meine Freundin Isabella auch in der Kirche war und ich habe mir gedacht: Mit ihr gemeinsam könnte ich es vielleicht machen. Nach der Messe habe ich mir einen Ruck gegeben und bin mit meinem Rollstuhl in seine Richtung gefahren. Und wer kommt in diesem Moment auf mich zu? Isabella! Und sie flüstert mir ins Ohr: “Elfriede, magst du vielleicht mit mir für diesen Mann beten?” Ich kann es mal wieder nicht fassen, wie sehr Gott meine Gedanken und Wünsche ernst nimmt!! So sind wir also gemeinsam mutig zu dem Mann hingegangen. Er hat sich entschuldigt, dass er uns im Weg steht und wir haben gesagt: "Nein, nein, wir sind absichtlich gekommen!” Wir haben ihn gefragt, ob es etwas gibt, wofür wir für ihn beten dürfen, und er hat sich gefreut und gemeint, dass wir gerne für seine Gesundheit beten dürften. Das haben wir gemacht. Um uns anzusehen, musste er immer mit einer Hand seinen Kopf hochheben und sobald er die Hand wieder losgelassen hat, ist der Kopf wieder nach unten gebaumelt. Aber was mich zutiefst berührt hat war, dass er überhaupt nicht über seinen gesundheitlichen Zustand gejammert hat, sondern er hat uns erzählt, dass er hofft, dass er bald wieder fitter ist, weil es sein tiefster Wunsch sei, dass er Geld sammeln kann für einen behinderten Jungen, dem er ermöglichen möchte, dass er Delfintherapie machen kann. Es hat mich zutiefst bewegt, dass dieser erbärmlich aussehende Mann sich nicht selbst bemitleidet für seinen Zustand, sondern in seinem Zustand noch an andere denkt, denen er gerne helfen möchte. Er hat uns noch erzählt, dass er Harald heißt und dass wir gerne mal auf einen Kaffee gehen können. Er war in seiner Lage trotzdem hoffnungsvoll und fröhlich und ich freue mich, dass er jetzt einen Namen für mich hat und dass ich ihn, wenn ich ihn wiedersehe (denn ich habe ihn auch früher schon öfter auf der Straße gesehen) mit Namen ansprechen kann und er nicht mehr einfach ein armer Mann für mich ist. Und ich habe gemerkt, dass sich die große Überwindung wirklich gelohnt hat, denn die Begegnung hat mich noch Stunden später mit Freude erfüllt.
Elfriede Demml, 23. Februar 2026