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Ein Blick genügt


Pfarrreise nach Israel. Ich bin noch nie geflogen, aber das Angebot, dass die Reise für mich so ausgerichtet wird, dass ich auch mit dem Rollstuhl mit kann muss und darf ich voll Freude annehmen. Es ist schließlich etwas Besonderes, in dem Land unterwegs zu sein, wo auch Jesus seine Zeit auf Erden verbracht hat. Manchmal tut es weh zu sehen, wie touristisch die heiligen Orte geworden sind. Selfies während des Berührens besonderer Gedenkstätten stehen an der Tagesordnung. Wo ist da die Heiligkeit und Ehrfurcht? Und doch darf ich Menschen begegnen, die die Heiligkeit der Orte und des Wirkens Jesu dort zum Ausdruck bringen.
- Meine Gruppe, die mich mit einer großen Selbstverständlichkeit überall hin trägt.
- Ein jüdischer Opa mit gütigen Augen der mir im Flugzeug sagt: "Wenn sie etwas brauchen, helfe ich Ihnen mit großer Freude."
- Ein paar Minuten der Stille in der Kapelle in Saint John in the desert und der Blick Jesu aus der Ikone, der mir zuflüstert: "Keine Sorge, ich bin da. Egal wie viel Trubel. Ich bin da. Ich lass dich nicht allein."
- Eine Schwester, die mir auf Golgatha sagt, dass sie jeden Morgen einige Stunden mit ihrer Gemeinschaft hier betet und dass sie mich gerne ins Gebet einschließen wird. Als wir uns ein paar Tage später zufällig noch einmal treffen, weiß sie noch immer meinen Namen und versichert mir, dass sie nicht vergessen hat, für mich zu beten. Und das bei so vielen Menschen, denen sie sicher jeden Tag begegnet.
- Ein Augenblick der Stille und des Alleinseins im Heiligen Grab, dem Ort der Auferstehung schlecht-hin. Und dann die Hände eines griechischen Priesters und meines Pfarrers, die sich mir entgegenstrecken, als ich gemeinsam mit meiner Assistentin geduckt aus der Höhle hervor krieche. Eine Umarmung mit strahlenden Augen von beiden. "Wie schön, dass du da bist." Wahrscheinlich eine kleine Vorahnung von dem, wie Jesus von seinem Vater empfangen wurde, als er vom Grabe auferstanden ist. Und wie auch wir erwartet werden, wenn wir auferstehen.


Elfriede Demml (32), Pastoralassistentin in Graz, 17. Juli 2019
Erschienen in: Die Tagespost
, 26.9.2019

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