
MIT GOTT IM ALLTAG
Elfriede Demml | Voll Vertrauen | Leben im Rollstuhl
Nur nicht unterkriegen lassen
Als ich das Hotel gebucht habe, habe ich extra nachgefragt, ob es einen Aufzug bzw. die Möglichkeit gibt, meinen großen Elektrorollstuhl irgendwo zu parken. Ja, wir haben einen Aufzug, war die Antwort. Als wir dort ankommen, stellt sich heraus, dass der Aufzug erst im Halbstock beginnt und bis dahin gibt es einen Treppenlift, aber nicht für einen Rollstuhl, sondern so einen, wo sich z.B. alte Leute auf einen Klappstuhl setzen können und dann langsam die Stufen hinauffahren können. All das wäre mit ein wenig Anstrengung und Hilfe noch machbar, aber der Eingangsbereich ist so eng, dass ich meinen Rollstuhl auf gar keinen Fall stehen lassen kann. Noch dazu stellt sich heraus, dass es ein kontaktloses Hotel ist. Nach vielen Telefonaten bekommen wir einen Schlüssel für das Fahrradabteil. Es ist zwar eng da drinnen, aber ich werde schon einen Platz finden zwischen all den Fahrrädern und Rollern. Vorerst beruhigt machen sich meine Assistentin und ich wieder auf den Weg. Als wir spätabends wieder nach Hause kommen, parke ich meinen E-Rolli in einem schmalen Spalt zwischen Fahrrädern und Rollern. Meine Assistentin beschließt, zuerst den Rucksack raufzutragen und dann mich zu holen. Ich warte also geduldig in der kleinen Kammer. Plötzlich höre ich ihre Stimme vor der Türe: "Elfriede, ich habe den Schlüssel bei dir gelassen und hier draußen ist nur ein Knauf! Schaffst du es, von innen aufzusperren? Kommst du an den Schlüssel?” Ach du Schreck! Ich finde den Schlüssel tatsächlich in meiner Reichweite. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Tür alleine aufgesperrt habe. Na gut, im Notfall werde ich das wohl hinkriegen. Ich darf nur keinesfalls in der Aufregung den Schlüssel fallen lassen!! Aber jetzt muss ich es erstmal schaffen, zwischen den Fahrrädern wieder auszuparken, ohne eines umzuschmeißen, denn dann wäre der Weg zur Tür blockiert. Es ist wirklich äußerst aufregend. Als ich es vorsichtig zur Tür geschafft habe, überlege ich mir eine Strategie, wie ich am besten zum Schlüsselloch komme und wie ich den Schlüssel am Schlüsselband sichern kann, sodass er mir nur ja nicht runterfällt. Ich halte meine Assistentin immer auf dem Laufenden, was ich gerade mache. Und plötzlich fragt sie: “Hat die Tür zufällig innen eine Klinke?" Ich breche in schallendes Gelächter aus. Ja hat sie! In all der Aufregung bin ich nicht auf die Idee gekommen, dass ich die einfach runterdrücken kann und dann bin ich frei! Wir beide müssen noch weiter herzlich lachen, als sie mich huckepack auf den Rücken nimmt und mit mir die Treppen hochhüpft, als wäre ich eine Feder. Was für ein Abenteuer! Und was mich am meisten freut ist, dass sie das alles auch noch lustig findet und sich nicht aufregt über die unmöglichen Arbeitsbedingungen.
Elfriede Demml, 13. März 2026
