
MIT GOTT IM ALLTAG
Elfriede Demml | Voll Vertrauen | Leben im Rollstuhl
Beichtschokolade
Ich kann nur staunen und jauchzen über die Liebe Jesu. Heute nach der Beichte war ich in der Messe und da ist mir ein Pater von den Salesianern Don Boscos in Benediktbeuern eingefallen, der immer erzählt hat, dass er nach der Beichte immer ein Stück Torte isst und sie so die Barmherzigkeit Gottes und den geschenkten Neuanfang festlich begeht. Und dann ist mir noch Brigitta eingefallen, wie ich ihr im Klostergarten mit einem Eis in der Hand begegnet bin und sie mir freudestrahlend erzählt hat, dass sie gerade beim Beichten war und dass sie sich hinterher immer Eis kauft. – Diese Begegnung hat mich damals schwer beeindruckt und war für mich mit ein Anstoß, mir auch einen geistlichen Begleiter zu suchen und es mal wieder mit dem Beichten zu versuchen. Wer weiß, wo ich ohne solche Begegnungen und ohne geistliche Begleitung und Beichte heute wäre? –
Naja, all das ist mir eingefallen, als ich heute nach der Beichte bei der Messe in der Franziskanerkirche war. Und in mir wuchs der Wunsch, die Beichte zukünftig auch festlicher zu würdigen. Immerhin war ich jetzt in der Messe, aber im Anschluss hatte ich gleich Physiotherapie und der Tag würde seinen üblichen Lauf nehmen... Neben mir saß eine alte Dame in der Kirchenbank. Vor ein paar Wochen hatte sie mir mal eine Tafel Schokolade geschenkt. Kurz blitzte in mir der Gedanke auf: „Vielleicht schenkt sie mir ja heute wieder Schokolade. Dann könnte ich bei der Physiotherapie mit Helena noch teilen und ,feiern‘.“
Ich legte diese Gedanken zu Seite und widmete mich nun endlich der Messe. Danach verabschiedete ich mich von der alten Dame und dachte dabei gar nicht mehr an die Schokolade. Ich verließ die Kirche und wollte gerade in Richtung Physiotherapie losfetzen, als ich hinter mir höre: „Warten Sie, ich habe noch etwas für Sie.“ Und da taucht die Dame neben mir auf und kramt in ihrer Tasche. Und was zieht sich heraus? Eine Tafel Schokolade!!! Wahrscheinlich habe ich mich noch nie so sehr über Schokolade gefreut, wie in diesem Augenblick. Es war für mich ein Geschenk direkt von Jesus. Der reinste Ausfluss seiner Liebe bei dem es gar nicht so sehr um die Schokolade an sich ging, sondern um die Tatsache, dass er mich sieht und jeden meiner noch so kleinen Gedanken ernst nimmt.
Ich habe ihr nicht erzählt, warum ich mich so sehr freue. Aber sie hat mir erzählt, dass sie nicht immer Schokolade mit habe, dass aber ihr Arzt, dem sie eigentlich die Schokolade schenken wollte, heute nicht da war, sondern nur seine Vertretung.
Egal wie, Jesus hat diese Dame heute zu einem besonderen Werkzeug seiner Liebe gemacht. Mit Helena habe ich dann die Schokolade geteilt und damit Gottes Barmherzigkeit in der Beichte gefeiert. Im vollen Warteraum habe ich ihr nur erzählt, dass ich die Schokolade von einer netten Dame in der Kirche bekommen habe. Als wir später alleine waren, habe ich ihr die „wahre“ Schoko-Geschichte erzählt. :-)
Elfriede Demml, Pastoralreferentin in Graz, 4. November 2024