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Ein Zwinkern vom Himmel

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Diesen Winter merkte ich, dass ich in den nächsten Monaten wohl die 10.000 km Marke mit dem E-Rolli knacken werde. Besonders im Winter wo die Sicht schlecht ist wurde mir bewusst, dass es keinesfalls selbstverständlich ist, dass ich diese 10.000 km unfallfrei im Verkehr geschafft habe und so oft bewahrt worden bin in brenzligen Situationen. Und so beschloss ich, dass ich eine Dankesmesse für 10.000 unfallfreie km feiern möchte. Da ich weiß, wie viel ich durchschnittlich am Tag fahre, konnte ich gut hochrechnen, wie lange es wohl dauern wird, bis ich die 10.000 km erreicht habe. Und wir haben den 23. April ausgewählt für diese Messe. Ab dem Zeitpunkt hatte ich umso mehr meinen Kilometerzähler im Blick, damit es sich nur ja ausgeht bis zum vereinbarten Termin. Und es war wirklich eine Punktlandung. Am 22. April abends auf dem Nachhauseweg, auf einer einsamen Privatstraße, war ich bei 9999 km. Das wollte ich festhalten. Es war nicht viel los auf dieser Straße, genau genommen sah ich nur einen einzigen afrikanischen Mann und den habe ich gefragt, ob er vielleicht ein Foto machen könnte. Zuerst wollte er mich fotografieren. Ich musste ihm erstmal ausdeutschen, dass es mir nicht um mich geht, sondern um den Kilometerstand. "Ah, nine, nine, nine, nine!", rief er aus, als es ihm dämmerte, was ich von ihm wollte und vor allem warum. So fotografierte er meine Anzeige und ich fuhr weiter. Und jetzt kommt's: Ich komme auf die nächste große Kreuzung und sehe etwas, was mir davor noch nie aufgefallen ist: auf einem Gebäude eine riesengroße Werbung für eine Autowerkstatt und daneben ein Männchen mit einer Zielfahne in der Hand. Ich musste grinsen für mich war das wie ein Augenzwinkern Gottes. "Ich weiß genau, was du gerade machst, du bist in der Zielgeraden." Leider konnte ich hier niemanden entdecken, der mir dieses Schild fotografiert, denn es war wie gesagt eine sehr große Kreuzung und weit und breit nur Autofahrer, und die konnte ich ja wirklich schlecht anhalten, nur damit sie mir ein Schild fotografieren, von dem ich denke, dass es eine Botschaft vom Himmel für mich ist. So fuhr ich also weiter bis tatsächlich die Anzeige auf 10.000 km über-sprang. Gerade hatte ich zwei Frauen überholt. Ich drehte mich zu ihnen um und bat auch sie, mir meine Anzeige zu fotografieren. Auch sie verstanden erst mein Anliegen nicht, aber mit viel Gestikulation ging es dann doch. Und die Messe am folgenden Tag inklusive Rollstuhlsegnung und Segnung der Techniker, die meinen Rollstuhl immer fit halten, war ein wahres Fest.

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Elfriede Demml, Pastoralreferentin in Graz, 22. April 2024

© 2015 Elfriede Demml - Mit Gott im Alltag

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